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"Silent - Der Jäger" - Leseprobe

Kapitel 3 – Marie

Plötzlich sah ich mein Handgelenk von großen kräftigen Fingern umfangen. »Dein Name?« Silents leise Stimme war heiser und so dunkel wie die Aura, die ihn umgab.
»Marie.« Zu meinem Verdruss piepste ich eher, statt dass ich sprach. Ich wollte mir meinen Schrecken nicht anmerken lassen, aber das war nahezu unmöglich. Allein seine Existenz schüchterte mich ein.
»Seit wann arbeitest du hier, Marie?« Er machte keine Anstalten, mich freizugeben.
Meine Haut fühlte sich unter seinen Fingern an, als wolle sie verbrennen. »Wären Sie so nett, mich loszulassen?«
»Wärst du so nett, meine verdammte Frage zu beantworten?« Er verstärkte den Griff.
Ein Schmerzstich zuckte durch meine Knochen und das Blut wich aus meinen Wangen. Mit Mühe unterdrückte ich einen gequälten Laut. Dieser Mann wollte mir Angst einjagen.
Okay, das war ihm gelungen.
Gleichzeitig wallte in mir Zorn auf über sein gemeines Benehmen. Ich wollte ihm seinen Triumph über mich nicht gönnen. Sein Griff war eisenhart.
»Er hat dich etwas gefragt, meine Liebe.« Der weißhaarige Mann beugte sich vor. »Antworte ihm lieber. Was hat dich ausgerechnet ins Cesar verschlagen? In der City könntest du mehr verdienen.« Er sprach sehr freundlich und ignorierte die Tatsache, dass der große dunkle Mann mir gerade beinahe das Handgelenk zermalmte.
Statt zu versuchen, mich zu befreien, biss ich die Zähne zusammen und fixierte Silents kräftige Finger. »Wenn Sie nicht auf der Stelle Ihre Hand fortnehmen, muss ich Ihnen das Wasser aus der Blumenvase ins Gesicht kippen. Die Blumen sind welk, sie riechen bereits unangenehm. Danach hat Ihre teure Lederjacke unschöne Flecken und ich werde arbeitslos sein.«
»Was für ein zickiges Luder!« Hasengesicht lachte auf. »Verpass ihr eine Abreibung, die sie nicht vergisst, Silent. Barringer ist offenbar nicht in der Lage, sein Personal zu erziehen.«
»Ich bin nicht mitgekommen, um zuzusehen, wie Silent eine widerspenstige Kellnerin fertigmacht«, sagte der ältere Mann gereizt. »Zum Teufel, ich will mit Barringer reden!«
»Sieh mich an, Marie.« Silent flüsterte, sodass ich ihn fast überhört hätte. Er sprach meinen Namen aus, als würde er damit Macht über mich erlangen. In gewissem Sinne stimmte das auch.
Ich gehorchte.
Ihm in die Augen zu schauen, war, als würde ich in das Zentrum eines Wirbelsturms gesogen. Drumherum drehte sich alles, doch in den silbergrauen Augen des Sturms herrschte eine solch endgültige Stille, dass jedes Geräusch von außerhalb in den Ohren wehtat. Keine noch so winzige Spur von Wärme war in seiner Mimik zu erkennen. Keine Emotion. Ein zu-allem-fähig-Gesicht. Mein Herz krampfte sich zusammen. Mir schwindelte.
»Arbeitest du gerne im Cesar?« Er studierte meine Züge mit klinischem Interesse.
»Normalerweise schon«, brachte ich hervor. »Die meisten Gäste sind zu höflich, um mir den Arm zu brechen.«
Ein Mundwinkel bewegte sich um eine Winzigkeit. Ich nahm seinen Geruch wahr, Holz und Zitrone und warme Haut. Es überraschte mich; ich hatte irgendwie damit gerechnet, dass er nach frostkalter Erde roch. Endlich ließ er mich los. »Wenn du auf Trinkgelder spekulierst, bist du bei uns an der falschen Adresse.«
Nein, wirklich? Zu gerne hätte ich jetzt meinen Blick abgewandt, aber ich konnte nicht. Lieber Himmel, ich starrte ihn an wie das Karnickel die Schlange!
»Geh«, wisperte er.
Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Erst in der Küche konnte ich durchatmen. Das Prickeln in meinem Nacken ließ nach. Ich lehnte mich an den Gefrierschrank, weil meine Beinmuskeln zitterten.
Lennart musterte mich von oben bis unten »Alles okay mit dir? Du siehst aus, als hättest du einen Faustschlag in den Magen kassiert.
 « Sein Blick fiel auf mein Handgelenk, auf dem sich die Abdrücke von Silents Fingern dunkelrot abzeichneten. »Scheiße, wer war das?« Er wollte nach meiner Hand greifen, doch ich zog sie hastig außer Reichweite. »Soll ich jemanden für dich verprügeln, Marie? Ich würd’s tun, wenn du im Gegenzug heute Abend mit mir ausgehst.«
»Das war Silent«, sagte Lydia hinter uns. »Er hat die arme liebe Marie ins Visier genommen. Hab’s genau gesehen.« Es klang ganz und gar nicht, als würde sie sich um mich sorgen. Eher erleichtert, dass nicht sie sein Opfer geworden war.
»Oh Shit.« Len grinste entschuldigend. »Nichts für ungut, aber in dem Fall ziehe ich lieber den Schwanz ein. Was hast du ihm getan, Marie?«
Ich schüttelte ratlos den Kopf. »Sein Benehmen ist schlicht kriminell.«
»Naja, das liegt möglicherweise daran, dass der ganze Mann kriminell ist.«

Dies war eine kleine Leseporbe aus Silent – Der Jäger von Catalina Cudd, dem ersten Band des zweiteiligen Dark Romance-Thrillers Silent.
Du willst wissen, worum es geht? Hier ist der Klappentext:

 

Alles an diesem Mann ist Stille.
Tödliche Stille.
Geplagt von Schuld und den anklagenden Blicken der Verwandtschaft, flüchtet Marie nach Hellington, der berüchtigten
Hauptstadt des Verbrechens, zu ihrem unbekannten Vater. Doch statt den erhofften Seelenfrieden zu finden, gerät sie zwischen die
Fronten des organisierten Verbrechens und in das Visier von Silent, dem eiskalten Jäger der Unterwelt, der alles daran setzt, sein
Syndikat zu schützen. Silent kennt weder Gnade noch Gewissen, er macht seine eigenen Regeln. Nie lässt er seine Beute
entkommen.
Ungewollt wird Marie zur Schlüsselfigur eines tödlichen Spiels um Verrat, Blutrache und Menschenhandel – und erweist sich
bald schon als ungeahnte Herausforderung, die ihren Jäger an seine persönlichen Grenzen treibt.
Dark Romance-Thriller: Keine Sicherheiten. Keine Grenzen. Keine Moral.
Keine harmlose Love Story, keine rettenden Engel und kein strahlender Held mit Gewissen und Anstand. Kein Gut, kein Böse.
Dieser Roman enthält Gewalt, Kriminalität und Leidenschaft.
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Silent ist ein Dark Romance-Thriller in zwei Teilen. Beide Teile sind bereits erschienenund hier im Shop als veredelte Taschenbuchausgabe erhältlich.
Teil 1: Silent - Der Jäger
Teil 2: Silent - Die Beute